Zusammenfassung
Nach Behauptungen des Europäischen Patentamtes (EPA), der Industrie und auch aus Politik, können konventionell gezüchtete Pflanzen nicht patentiert werden. Doch aktuelle Recherchen von Keine Patente auf Saatgut! zeigen das Gegenteil. Es gibt einen alarmierenden Trend zur Monopolisierung natürlich vorkommender Genvarianten. Diese Patente betreffen insbesondere Resistenzen gegen Pflanzenkrankheiten. Die Genvarianten werden als technische Erfindungen beansprucht, die Patente erstrecken sich auch auf die betreffenden Pflanzen, selbst wenn diese eigentlich aus Kreuzung und Selektion gewonnen wurden. Andere Methoden umfassen die Zufallsmutagenese oder auch Neue Gentechnik (NGT).
Nach der Recherche wurden im Jahr 2025 rund 40 internationale Patentanmeldungen veröffentlicht, die sich ausdrücklich auf konventionell gezüchtete Nahrungspflanzen beziehen. Die meisten dieser Patentanmeldungen beanspruchen natürliche Genvarianten als technische Erfindungen. Die überwiegende Mehrheit betrifft eine verbesserte Resistenz gegen Pathogene, bzw. Pilz- und Viruserkrankungen.
Wie ein kürzlich veröffentlichter Bericht zeigt, werden solche Patentanmeldungen nach der derzeitigen Praxis des Europäischen Patentamts (EPA) akzeptiert und erteilt. Kürzlich erteilte Patente beanspruchen Mais, Salat, Spinat und Tomaten, die durch Selektion der beanspruchten Genvarianten und nachfolgende Kreuzungen gezüchtet werden.
Diese Entwicklung behindert oder blockiert den Zugang zu biologischer Vielfalt, die unverzichtbar ist, um krankheitsresistente oder an den Klimawandel anpassungsfähige Sorten zu entwickeln. Dabei werden kleine und mittlere Züchtungsunternehmen durch Kosten und neue Abhängigkeiten am stärksten beeinträchtigt, selbst wenn sie nicht beabsichtigen, irgendeine Form der Gentechnik einzusetzen.
Zudem gibt es für die Landwirtschaft und Gemüsebau weniger Auswahl und auch die Preise für Saatgut und Lebensmittel können betroffen sein. Letztlich gefährdet diese Entwicklung die Zukunft unserer Ernährung.
NGT-Anwendungen sind ein Treiber für die steigende Zahl von Saatgutpatenten. Das Europäische Parlament hat bei seiner für Juni 2026 geplanten Abstimmung über die Zukunft der NGT-Regulierung die Chance, der fortschreitenden Monopolisierung von Saatgut ein Ende zu setzen. Sollte das Problem durch die neue Regulierung nicht gelöst werden, sollte sie abgelehnt werden.