Saatgutpatente: Zeit, dass die EU die richtigen Entscheidungen trifft

Europäisches Parlament soll Patente auf natürliche Genvarianten stoppen

9.Juni 2026 / Jüngste Recherchen von Keine Patente auf Saatgut! zeigen einen alarmierenden Trend zur Monopolisierung natürlich vorkommender Genvarianten. Dabei handelt es sich um Gene, die eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Stress bieten können. Diese natürlichen genetischen Eigenschaften werden jedoch zunehmend als technische Erfindungen patentiert. Die Patente erstrecken sich auch auf Pflanzen, die durch Kreuzung und Selektion unter Einbeziehung der patentierten Gene gewonnen wurden. Dadurch wird der Zugang zu wertvollen genetischen Ressourcen stark behindert und die künftige Ernährungssicherheit gefährdet.

Bericht Titelbild„Nach Aussagen des Europäischen Patentamts (EPA), der Industrie und auch der Politik können konventionell gezüchtete Pflanzen nicht patentiert werden. Unsere Recherchen zeigen jedoch das Gegenteil“, sagt Johanna Eckhardt von Keine Patente auf Saatgut!.

Die Untersuchung zeigt, dass im Jahr 2025 rund 40 internationale Patentanmeldungen veröffentlicht wurden, die sich ausdrücklich auf konventionell gezüchtete Nahrungspflanzen beziehen. Die meisten dieser Patentanmeldungen beanspruchen natürlich vorkommende Genvarianten als technische Erfindungen. Die meisten beziehen sich auf die Resistenz gegen Pflanzenpathogene, die Pilz- oder Viruserkrankungen verursachen.

„Diese Entwicklung stellt eine Bedrohung für kleine und mittlere Züchtungsunternehmen dar. Wir sind mit Kosten und neuen Abhängigkeiten konfrontiert, die unsere Züchtungsaktivitäten jetzt und in Zukunft grundlegend in Frage stellen“, warnt Frans Carree vom Zuchtunternehmen De Bolster.

Im Jahr 2017 wurde eine neue Regelung in das Patentrecht aufgenommen, um Patente auf konventionelle Züchtungen auszuschließen. Dennoch werden solche Patentanmeldungen vom Europäischen Patentamt (EPA) weiterhin entgegengenommen und erteilt. Kürzlich erteilte Patente beanspruchen Mais, Salat, Spinat und Tomaten, die durch die Selektion der beanspruchten Genvarianten und anschließende Kreuzungen gewonnen wurden.

„Patente auf Saatgut haben schwerwiegende wirtschaftlichen Folgen für die Landwirtschaft. Die Auswahl für die Landwirtschaft und den Gartenbau werden eingeschränkt. Viele Patente erstrecken sich auf die Ernte und deren Verwendung für Lebensmittel und Futtermittel“, fasst Annemarie Volling von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft die Situation zusammen.

Das Europäische Parlament hat bei seiner bevorstehenden Abstimmung über die künftige Regulierung von Pflanzen aus Neuer Gentechnik (NGT), die Chance, der fortschreitenden Monopolisierung von Saatgut ein Ende zu setzen. NGT-Anwendungen sind ein Treiber für die steigende Zahl von Saatgutpatenten. In vielen Fällen decken NGT-Patente auch natürlich vorkommende Genvarianten ab.

„Im Zusammenhang mit EU-Patenten und NGTs sollte die EU auch über die Auswirkungen auf den globalen Süden nachdenken. Wenn Saatgutmonopole die Konzentration auf den Märkten weiter verstärken, kann dies auch erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Pflanzenzüchtung in anderen Ländern haben. Sie alle sind im Hinblick auf die regionalen Lebensmittelerzeugung auch auf Vielfalt in der Pflanzenzüchtung und Saatgutproduktion angewiesen“, erklärt Nout van der Vaart von Oxfam Novib.

Im Jahr 2024 forderte das Europäische Parlament ein Verbot der Erteilung derartiger Patente. Bei einer für Juni angesetzten Abstimmung wird die EU endgültig über einen Verordnungsentwurf zu NGT-Pflanzen entscheiden, der jedoch in seiner aktuellen Fassung Patente auf Saatgut in keiner Weise einschränkt. Keine Patente auf Saatgut! fordert eine Änderung der geltenden Rechtsvorschriften, um die fortschreitende Monopolisierung pflanzengenetischer Ressourcen zu verhindern. Sollte mit der neuen Verordnung das Problem nicht gelöst werden können, sollte sie abgelehnt werden.

Keine Patente auf Saatgut! wird die Ergebnisse der Recherche auch in einem Online-Workshop vorstellen, der am 10. Juni um 13.30 Uhr CET stattfinden soll. Interessierte können sich unter folgendem Link anmelden: https://www.no-patents-on-seeds.org/en/NGT-Workshop

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